Attention Go!

Wir paddeln zum Start. Die Spannung ist spürbar. Vereinzeltes Lachen. Keine Gespräche wie im Training, die einen manchmal in den Wahnsinn treiben. Das Boot bereitet sich vor. Jeder macht mal den einen oder anderen Schlag mit Druck, stimmt sich ein. Auf dem Steuerbock steht der Steuermann, vorn sitzt die Trommlerin. Die Beiden verstehen sich. Die Trommlerin transportiert die Stimme des Steuernden nach vorn zu den Schlagbänken.

Wir sind da. Noch ein paar Schläge weiter, wenden und langsam zum Start treiben lassen. Die anderen Boote treffen ebenfalls ein und suchen ihre Bahn.

Der Starter will die Boote ausrichten und man gleitet zur Startlinie. Alles nimmt die Paddel voraus. Die Blätter sind im Wasser.

"Bahn Eins, ein Stück vor! Bahn Zwei, etwas zurück!", schallt es vom Ufer. Wir spüren, dass unsere letzten bei-den Bänke das Boot ausrichten.
"Attention!", ruft der Starter. Ich höre das Boot einatmen. "GO!", und in diesem Moment explodiert das Boot förmlich. Fünf kräftige Paddelschläge. Dann muss das Boot laufen. Fast zwei Tonnen wollen bewegt werden. Soviel wiegen Boot und Besatzung in etwa.
Flüssigen Beton mit dem Spaten umrühren kann nicht schwerer sein. Das Boot hat sich aus dem Wasser erhoben. Mit Luft unter dem Kiel beschleunigen wir.
Wie eine Lokomotive geht es vorwärts. "Puff, Puff, Puff!", immer schneller zählt der Steuermann. Die Trommel dröhnt den Rhythmus dazu. Wir sind schnell.
"Dreizeeehn, vierzeeehn, fünfzeeehn!", zählt es hinten und vorn. Lang in den Streckenschlag. Lang weg geht es nun.
Alles beugt sich weit nach vorn. Arme heben und senken sich im Takt. Paddel stechen zeitgleich ins Wasser. Das Schiff läuft. Es wackelt nichts. Nicht die kleinste Rollbewegung. Es fühlt sich gut an. Nur noch ein wenig bis zum Ziel. Vielleicht zwanzig Schläge noch. Das Boot neben uns fährt einen Endspurt. Sie machen es mit einer Trillerpfeife deutlich. Nicht mit uns. Die Schlagbank erhöht die Schlagzahl. Noch einmal quälen, noch einmal richtig Druck ans Paddelblatt. Die Muskeln im Arm sind leer. Noch fünf! Es schmerzt. Noch drei Mal das Paddel ins Wasser, Nicht runterfahren. Quäl Dich! Zwo, Eins und noch einen und: "Paddel Halt"! Geschafft. Welcher Platz? "Seid doch mal still! Sie sagen das Ergebnis!" Und auf dem zweiten Platz: " Dragonpatrol!"
"Super!", wir freuen uns. Saubere Teamleistung. Langsam paddeln wir zum Steg.
So oder so ähnlich fühlt es sich an, wenn man an einem Drachenbootrennen auf der Kurzstrecke teilnimmt. Bis man an diesem Punkt ist, muss man einige Einheiten an Technik-, Konditions-, Koordinations- und Krafttraining absolviert haben.
Aber im Team gibt es nur eine Art zu paddeln: "Gemeinsam!"